Interview des Außenministers von Artsakh, Davit Babayan mit dem öffentlichen Fernsehen Armeniens.

Interview des Außenministers von Artsakh, Davit Babayan mit dem öffentlichen Fernsehen Armeniens
 
Das Haupthindernis bei der Frage des Austauschs von Kriegsgefangenen sei die aserbaidschanische Politik, „und wir sehen hier gefährliche Tendenzen“, sagte Davit Babayan. „Zum Beispiel betrachten sie die Kriegsgefangenen, insbesondere die in Dörfern Chtsaberd und Hin Tagher gefangenen 64 Personen, als Terroristen, und leiten gegen sie ein Strafverfahren ein. Dies ist eine grobe Verletzung aller völkerrechtlichen Normen und Konventionen. Dies zeigt Diskriminierung aus religiösen und ethnischen Gründen“, fügte der Außenminister in einem Interview mit dem öffentlichen Fernsehen Armeniens am 14. Januar 2021 zu.
In diesem Zusammenhang erklärte Babayan, dass alle in Gefangenschaft geratenen Militärangehörigen und Zivilisten unmittelbar nach dem Ende der Feindseligkeiten hätten zurückgegeben werden müssten, aber Aserbaidschan behindere mit seinem Verhalten den Rückkehrprozess.
„Aber unabhängig von allem werden wir unsere Arbeit fortsetzen und versuchen, alles Mögliche zu tun, um dieses Problem irgendwie positiv zu lösen. Natürlich ist es sehr schwierig, besonders unter den Bedingungen in Artsakh: Einige unserer Behörden, einschließlich der Verteidigungsarmee und des Ministeriums für Notsituationen, leisten zusammen mit den Friedenstruppen wirklich titanische Arbeit“, erzählte der Außenminister.
 
Das ganze Interview ist bei Youtube in Armenisch zu sehen unter:
 
 
 
 
Zu armenischen Kriegsgefangenen:
 
Die erste Phase des Gefangenenaustauschs zwischen Armenien und Aserbaidschan fand am 14. Dezember 2020 unter Vermittlung russischer Friedenstruppen statt. 44 Armenier kehrten mit einem russischen Militärflugzeug nach Armenien zurück, als Gegenleistung flogen 12 aserbaidschanische Bürger aus Armenien nach Baku.
Am 28. Dezember 2020 kehrten vier Armenier durch die Vermittlung Russlands und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz aus der Gefangenschaft in Aserbaidschan nach Armenien zurück. Zwei aserbaidschanische Gefangene wurden Baku zurückgegeben.
Armenien erklärte sich bereit, beim Gefangenenaustausch mit Aserbaidschan nach dem Prinzip „alle für alle“ aufzutreten. Es wird vorgeschlagen, einen Mechanismus zu schaffen, durch den jede Partei verpflichtet ist, neue Gefangene ohne Vorbedingungen zurückzugeben.
Laut den Anwälten Artak Zeynalyan und Siranusch Sahakyan vertreten sie vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte die Interessen von 80 armenischen Kriegsgefangenen und verhafteten Zivilisten, von denen 18 Personen bereits in die Heimat zurückgekehrt sind (Stand Ende 2020).
Nach Angaben von Siranusch Sahakyan vom 11. Januar 2021 befinden sich mindestens 120 armenische Bürger in aserbaidschanischer Gefangenschaft.
 
Zum Krieg in Artsakh:
 
Vom 27. September bis 9. November 2020 führten die aserbaidschanischen Streitkräfte unter Beteiligung der Türkei und von ihr rekrutierten ausländischen Söldner und Terroristen, unter Einsatz von Raketen- und Artillerie-Waffen, schweren Panzerfahrzeugen, Militärflugzeugen und verbotenen Waffen (Streubomben, Phosphorwaffen) an der Front und im Hinterland einen Aggressionskrieg gegen Artsakh. ... Unter Beschuss standen unter anderem zivile und militärische Ziele auch auf dem Territorium von Armenien.
Am 9. November 2020 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der Russischen Föderation, von Aserbaidschan und Armenien eine Erklärung zur Einstellung aller Feindseligkeiten in Artsakh.